Tierversuche in China: L'Oréal bleibt auf dem Markt trotz ethischer Bedenken

L'Oréal hält am Verkauf seiner Produkte in China fest – obwohl dort Tierversuche bei bestimmten Kosmetika nach wie vor vorgeschrieben sind.

20.12.25 05:02 Uhr | 81 mal gelesen

Jean-Christophe Letellier, der seit Sommer 2024 die Geschäfte von L'Oréal für Deutschland, Österreich und die Schweiz leitet, erklärte in einem Interview: L'Oréal verzichtet seit 1989 auf Tierversuche für Kosmetika. Das ist übrigens schon eine ganze Ecke länger, als das Gesetz es verlangt. Dennoch gebe es da einen dicken Haken: In China – und exakt diesen Markt verlässt kaum ein internationaler Kosmetikriese freiwillig – ist das Thema nicht ganz so einfach. "Wir können nicht verhindern, dass die dortigen Behörden bei bestimmten Produktgruppen wie Hautpflege und Co. weiterhin auf Tierversuche setzen. Anders wird keine Zulassung erteilt", so Letellier. Gleichzeitig betonte er, dass L'Oréal nicht tatenlos zusehe: Man arbeite intensiv daran, die chinesische Regierung sowie Forschungseinrichtungen davon zu überzeugen, auf alternative Prüfmethoden auszuweichen. Tatsächlich habe man bei Produkten wie Shampoo oder Make-up schon kleine Fortschritte erzielt. Bei anderen Kategorien bleibt es aber eine zähe Angelegenheit. Übrigens: L'Oréal beschäftigt weltweit über 90.000 Menschen, das deutsche Headquarter steht seit mehr als drei Jahrzehnten in Düsseldorf. Und obwohl die Debatte zu Tierversuchen im Kosmetikbereich nicht abreißt, sieht Letellier darin eher einen Auftrag, weiterhin für bessere ethische Standards zu kämpfen – gerade auch in schwierigen Märkten.

L'Oréal bleibt trotz fortbestehender Vorgaben für Tierversuche in China auf dem dortigen Markt präsent und betont eigene Initiativen, alternative Testmethoden zu etablieren. Der internationale Druck auf China, die Vorgaben zu lockern, hat in den letzten Jahren zwar zu teilweisen Erfolgen geführt – etwa für gewisse Produktkategorien –, aber bei etlichen Inhaltsstoffen und Produktlinien blockieren regulatorische Anforderungen weiterhin eine vollständige Abkehr vom Tierversuch. Global wächst das Bewusstsein für tierversuchsfreie Kosmetik, auch durch neue wissenschaftliche Validierungen und das Engagement von NGOs – in China jedoch sind Politik und Verwaltung (noch) nicht vollends bereit, schneller umzudenken. In weiteren aktuellen Medienberichten wird darauf hingewiesen, dass auch andere namhafte Hersteller wie Estée Lauder oder Shiseido vor ähnlichen Herausforderungen stehen und teils ähnlich wie L'Oréal versuchen, im Dialog mit chinesischen Behörden alternative Testverfahren zu fördern. Der Druck aus der westlichen Öffentlichkeit nimmt zu, gleichzeitig bleibt der chinesische Markt für viele Unternehmen wirtschaftlich unverzichtbar. Resümierend zeigt sich: Auch wenn L'Oréal, aber auch zahlreiche Mitbewerber, ihren ethischen Anspruch unvermindert betonen, bleibt der Fortschritt im Umgang mit Tierversuchen im wichtigsten asiatischen Markt bisher eher schrittweise als revolutionär.

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