Van Aken: Für Dialog statt Boykott im Sport – und differenzierte Haltung zu Israel

Jan van Aken, profilierter Kopf der Linkspartei, plädiert für eine Rückkehr russischer Teams zu Weltmeisterschaften und warnt vor generellen Boykotten im Sport.

08.01.26 06:22 Uhr | 8 mal gelesen

„Klar, ich fände es sinnvoll, wenn Russland wieder zur Fußball-WM zugelassen würde – solange aber auch ganz eindeutig klar ist, dass Kriegsverbrecher zur Verantwortung gezogen werden müssen“, so äußerte sich Jan van Aken im Gespräch mit dem 'Tagesspiegel'. Boykotte, ob im Sport, in der Kultur oder in der Wissenschaft, hält der Linken-Politiker für nicht zielführend. Nach Van Akens Ansicht sind gerade Austausch und Begegnung auf diesen Ebenen oft die letzten Brücken, wenn politisch sonst kaum noch etwas geht – ein Gedanke, der offenkundig aus seiner eigenen Zeit als Biologe und den Gesprächen mit Naturwissenschaftlern aus Ost und West im Kalten Krieg rührt. Außerdem kritisiert er, dass sich Spanien, die Niederlande und andere europäische Länder dem diesjährigen ESC entziehen, weil Israel teilnimmt: 'Ich halte individuelle Boykotte nicht für sinnvoll.' Sanktionen gegen Israel hält Van Aken allerdings für legitim, wobei er selbst betont, bislang nie Produkte aus Israel explizit gemieden zu haben. Was für ihn jedoch kritisch ist: Waren aus besetzten Gebieten wolle er nicht unterstützen. – Ein Zwiespalt, der im Alltag durchaus schwierig sein kann.

Jan van Aken distanziert sich entschieden von generellen kulturellen und sportlichen Boykotten. Für ihn behalten Wissenschaft, Sport und Kultur ihre Relevanz als Kanäle für Verständigung selbst in angespannten politischen Lagen; dies gelte auch hinsichtlich einer russischen WM-Teilnahme, sofern rechtliche Verantwortlichkeiten gewahrt blieben. Auch bei Israel bevorzugt Van Aken gezielte Sanktionen vor pauschalen Boykotten, betrachtet jedoch Waren aus den besetzten Gebieten als schwierig und vermeidet deren Unterstützung nach Möglichkeit. Neuere Berichte unterstreichen, dass die Diskussion um die Rückkehr russischer Sportler und Teams in den internationalen Wettbewerb weiter an Fahrt gewinnt. Laut der DW beschäftigt Europas Fußballverbände vor allem die Frage, wie Sport von politischer Einflussnahme zu trennen ist, ohne Verantwortung zu verdrängen (Quelle: DW). Die 'FAZ' hebt zudem hervor, dass internationale Boykotte im Sportbereich selten zu nachhaltigen politischen Veränderungen führen, meist jedoch die Athleten selbst treffen (Quelle: FAZ). In einem taz-Kommentar wird außerdem betont, dass kulturelle Ausschlüsse häufig bestehende Gräben vertiefen und den Dialog eher erschweren als fördern (Quelle: taz).

Schlagwort aus diesem Artikel