Widerspruch aus der SPD: Erbschaftsteuer-Konzept spaltet die Koalition

Angesichts der andauernden Debatte um die Erbschaftsteuer stellt sich SPD-Fraktionsvize Wiebke Esdar deutlich gegen die Haltung von Kanzler Merz – und betont, kleine Betriebe hätten nichts zu befürchten.

heute 16:14 Uhr | 3 mal gelesen

Wenn es ein Thema gibt, das schneller die Gemüter erhitzt als ein vergessenes Semikolon in der Steuererklärung, dann ist es die Frage, wie hoch geerbtes Vermögen besteuert wird – und vor allem, wer am Ende tatsächlich zahlen muss. Die SPD, genauer gesagt Wiebke Esdar, widerspricht dem Kanzler hier ganz offen. 'Mit unserem Ansatz bleibt für rund 85 Prozent der Unternehmen die Erbschaftsteuer schlichtweg null – das sichert Arbeitsplätze und schont Familienbetriebe', behauptet sie im Gespräch mit dem 'Spiegel'. Was viele übersehen: Wer jetzt lauthals gegen das Vorhaben poltert, kämpft letztlich für die Interessen sehr wohlhabender Erben und nicht für den typischen Schreinermeister von nebenan, so ihre Ansicht. Während der Kanzler also von Unsicherheiten für die Wirtschaft spricht und fürchtet, Familien könnten ihre Betriebe durch neue Steuerlasten in Gefahr sehen, reagiert Esdar gelassen. Sie lässt keinen Zweifel: 'Der kleine Handwerksbetrieb bleibt komplett außen vor.' Für große Unternehmen falle die Steuer außerdem ohnehin geringer aus als so manches Geschäftsführer-Gehalt. Letztlich gehe es ihr um ein progressives Modell, das sich an den aktuellen Regeln für innerfamiliäre Vererbungen orientieren würde – und nicht um radikale 50-Prozent-Belastungen. Was ihr besonders gegen den Strich geht: Dass riesige Vermögen beinahe steuerfrei weitergereicht werden könnten, während Erben aus normalen Verhältnissen deutlich stärker zur Kasse gebeten werden.

Der Austausch zwischen SPD-Fraktionsvize Wiebke Esdar und Kanzler Merz zeigt, wie hitzig das Thema Erbschaftsteuer innerhalb der Koalition diskutiert wird. Während Esdar betont, dass die überwiegende Mehrheit der Unternehmen von zusätzlichen Belastungen verschont bliebe, wirft sie der Gegenseite vor, vor allem die Interessen superreicher Erben zu schützen. Die Debatte bewegt auch die Medien: In den letzten Stunden gab es zahlreiche Stimmen, die den Reformbedarf betonen, zugleich aber auch Skepsis äußern, ob eine progressive Anpassung kleine Betriebe tatsächlich verschonen kann. Aktuelle Kommentare – etwa in der Süddeutschen Zeitung und der Zeit – verweisen zudem darauf, dass ein Großteil der Vermögen bereits heute über spezielle Ausnahmen steuerfrei bleibt, was die Frage nach Fairness und notwendiger Reform zusätzlich befeuert. Gleichzeitig gibt es Stimmen aus der Wirtschaft, die vor einem Vertrauensverlust warnen, sollte die Politik plötzlich bewährte Steuerregelungen infrage stellen. Hintergrund: Auslöser der jüngsten Kontroverse ist ein Vorschlag der SPD, die Erbschaftsteuer stärker zu staffeln – Kritiker fürchten dadurch einen Wettbewerbsnachteil für Familienunternehmen.

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