Der Wintereinbruch hat die Bahn buchstäblich ins Schwitzen gebracht – oder besser gesagt: ins Frösteln. Bundesverkehrsminister Schnieder erklärte, man werde sich genau ansehen, wo das Zusammenspiel funktioniert hat und an welchen Stellen noch Luft nach oben ist. Das saloppe Fazit: Optimierungsbedarf gibt es immer, vor allem nach solch eisigen Tagen. Andererseits sei es, räumt Schnieder ein, schlicht unmöglich, bei extremer Witterung einen planbaren Fahrplan durchzuziehen. Bahn-Kulanzregelungen hätten immerhin vielen Fahrgästen geholfen, ihre Reise ganz zu verschieben – wobei auch das nicht für alle eine Option gewesen sei. Bemerkenswert: Die Crew der Deutschen Bahn sei im Dauereinsatz gewesen, räumt der Verkehrsminister ein. Ohne Pause schaufelten, enteisten und organisierten sich Tausende durch die Schneeberge. Auch Bahn-Vorständin Evelyn Palla verteidigte das Notfallmanagement. Sie sprach von ständigem Improvisieren – es gebe Abschnitte, da war eben gerade alles frei, bis die nächste Schneelawine den Plan wieder über den Haufen warf. Immerhin: Kein Zug musste im Nirgendwo aufgeben. Trotzdem, so Palla, bleibe eine gewisse Unberechenbarkeit bestehen. Man könne zwar akribisch vorbereiten, aber welche Gleise am Ende wirklich betroffen sind, das lässt sich kaum seriös vorhersagen. Schwierige Sache – und vermutlich nicht der letzte Winter dieser Art.
Schnieder kündigt an, dass die Bahn nach dem jüngsten Wintereinbruch kritisch prüfen werde, an welchen Stellen der Notfallplan bereits funktioniert hat und wo man besser werden muss; perfekt vorbereiten lasse sich eine Krise dieser Dimension aber nie. Die Kulanzregelung wurde gelobt, gleichwohl stießen einige Reisende an ihre Grenzen, da Züge ausfielen oder stundenlang verspätet ankamen. Vonseiten der Bahn wird unterstrichen, dass Sicherheit Vorrang hatte, kein Zug stecken blieb, aber die Natur letztlich unberechenbar bleibt. Im Laufe der letzten 48 Stunden berichteten mehrere Medien von den Nachwehen des Winter-Chaos: Die taz hebt hervor, dass nicht nur technisches Versagen, sondern auch Personalmangel und Kommunikationsdefizite bei der Bahn strukturelle Schwächen sichtbar gemacht haben (Quelle: taz). Die FAZ zeichnet ein Bild, in dem viele Pendler nach wie vor mit Nachwirkungen der Sturmnacht kämpfen und regionale Streckenweiterhin unterbrochen sind (Quelle: FAZ). Der Spiegel berichtet, dass die Bahn AG einen nationalen Krisenstab einberufen hat, um künftig die Zusammenarbeit mit Wetterdiensten und Einsatzkräften noch enger zu verzahnen, zugleich jedoch von langfristigen Infrastrukturinvestitionen abhängig bleibt (Quelle: Der Spiegel).