Sicher, es klingt auf den ersten Blick fast widersprüchlich: Während sich viele Wirtschaftsbereiche in Deutschland Sorgenfalten auf die Stirn schreiben, behauptet sich das beratende Gewerbe ausgesprochen erfolgreich. Die jüngste Sonderauswertung des Ifo-Geschäftsklimas – erhoben für das 'Handelsblatt' – legt nahe, dass immerhin jedes zweite Unternehmen der Branche im laufenden Jahr mit der eigenen Geschäftslage zufrieden war. Besonders auffällig ist diese Bilanz, wenn man die trüben Aussichten der Industrie danebenlegt; Berater und Prüfer scheinen, wie ein Schiff mit dickem Bug, die rauen See ökonomischer Unsicherheiten geduldig zu durchqueren.
Klaus Wohlrabe vom Ifo-Institut, der sich mit der Studie auseinandersetzte, beschreibt Rechts- und Steuerberatung sowie Wirtschaftsprüfung beinahe als Bollwerk im Vergleich zur stagnierenden Gesamtwirtschaft. Pessimistische Einschätzungen verebbten im Jahresverlauf, ohne das Meinungsbild ernsthaft zu kippen. Besonders interessant: Ein wichtiger Treiber für diese Stabilität könnte – etwas salopp gesagt – die Digitalisierung sein. Die Nutzung künstlicher Intelligenz ist kein Nischenthema mehr: Nahezu sieben von zehn Beratungsfirmen setzen bereits KI ein. Weitere haben es auf ihrer Agenda. Klar, so etwas bleibt nicht ohne Nebeneffekte: Ein Viertel der KI-Nutzer glaubt, dass dadurch Stellen verloren gehen – durchschnittlich geht es um etwa zwölf Prozent der Belegschaft.
Andererseits – und das ist der eigentliche Knackpunkt – hat die Branche zugleich mit gravierendem Mangel an qualifizierten Leuten zu kämpfen. 70 Prozent berichten weiterhin von Schwierigkeiten, offene Stellen zu besetzen. Und bei aller Effizienz durch KI: Mehr als ein Drittel will dennoch im nächsten Jahr neue Mitarbeitende einstellen. Klingt ein bisschen wie das Paradoxon des modernen Arbeitsmarktes.
Die Beratungsbranche in Deutschland – allen voran Rechtsanwälte, Steuerberater und Wirtschaftsprüfer – bleibt vergleichsweise optimistisch und stabil, obwohl sich die allgemeine wirtschaftliche Situation eher eingetrübt hat. Einer der Hauptgründe scheint der verstärkte Einsatz von Künstlicher Intelligenz im Tagesgeschäft zu sein, was nicht nur Prozesse beschleunigt, sondern eben auch Rationalisierungen zur Folge haben könnte; dennoch sieht ein Großteil der Unternehmen weiterhin Personalbedarf. Überdies lässt sich anmerken, dass die Digitalisierung – verstärkt durch neue behördliche und steuerliche Regelungen – den Bedarf an kompetenter Beratung eher antreibt, was wiederum die Attraktivität der Branche festigt. Nach aktuellen Medienberichten (etwa in taz, FAZ oder Zeit Online) wird zudem diskutiert, wie KI und veränderte Ausbildungsgänge mittelfristig das gesamte Berufsbild in dieser Branche transformieren könnten.