Linke übt scharfe Kritik an Pistorius’ Plänen für den neuen Wehrdienst

Die Pläne von Verteidigungsminister Boris Pistorius, mit dem geplanten Wehrdienst-Modell bereits im ersten Jahr 20.000 Freiwillige zu gewinnen, stoßen bei der Linken auf harsche Ablehnung. Linken-Fraktionschef Sören Pellmann hält solche Ziele für überzogen und kaum realistisch.

heute 00:02 Uhr | 11 mal gelesen

Wirklich überraschend ist die Kritik der Linken eigentlich nicht, und doch klingen die Einwände fast nach einer dringlichen Warnung. Sören Pellmann spricht etwa von verstärkter Verunsicherung unter den jungen Leuten – kaum jemand werde angesichts solcher Zahlen ein entspanntes Verhältnis zu Diskussionen rund um Wehr- oder Dienstpflicht behalten können. Das Fehlen eines respektvollen Austauschs mit der Jugend auf Augenhöhe ist für Pellmann ein Symptom für eine größere Schieflage im politischen Vorgehen. Er vermutet sogar, dass Pistorius mit solchen Vorgaben letztlich eine (Wieder-)Einführung der Wehrpflicht als unausweichlich erscheinen lassen will – fast, als habe man sich längst insgeheim dafür entschieden. Und doch: Nicht nur das neue Wehrdienstmodell steht in der Kritik der Linken, sondern auch das geplante Reservestärkungsgesetz löst bei ihnen Unbehagen aus. Denn die Unterscheidung zwischen Alltagsnormalität und einem Spannungs- oder Ausnahmefall verschwimmt aus Sicht der Linken immer mehr – ein Trend, der sich durch Pistorius' Gesetzesvorstöße noch verschärfe. Die Grenze zwischen zivilem Alltag und Krisenmodus scheint in Deutschland gerade neu verhandelbar zu sein.

Die Linke äußert große Vorbehalte gegenüber den Rekrutierungsplänen von Verteidigungsminister Pistorius, da sie diese als nicht notwendig und schwer umsetzbar ansieht. Besorgniserregend aus Sicht der Linken ist, dass schon die anvisierten Zielzahlen Ängste bei jungen Menschen schüren könnten, zumal ein direkter, ehrlicher Austausch mit der betroffenen Generation fehle. Die Grenze zwischen Friedenszeit und Spannungsfall droht nach Ansicht von Linken-Politikern zunehmend zu verschwimmen, was sie vor allem durch das Reservestärkungsgesetz bestätigt sehen. Recherche-Ergänzung: Die Debatte um den Wehrdienst in Deutschland hat aktuell deutlich an Fahrt aufgenommen. Besonders aufgrund jüngster geopolitischer Spannungen (u.a. Osteuropa, Ukraine-Krieg) wächst der Druck, die Bundeswehr personell zu stärken – manche Experten argumentieren, dass das bislang bestehende freiwillige System zu wenig Resonanz bekommt. Die SPD und CDU sprechen sich verstärkt für eine Form der Dienstpflicht aus, doch Organisationen wie der Deutsche Bundesjugendring und Teile der Grünen warnen vor einer Instrumentalisierung der Jugend und fordern umfassendere gesellschaftliche Debatten statt Schnellschüssen. Im europäischen Vergleich setzen viele Länder (z.B. Schweden, Norwegen) inzwischen auf Modelle, bei denen zwar eine allgemeine Dienstpflicht angekündigt, aber selektiver rekrutiert wird.

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