Stromversorgung in der Kritik: Experten warnen vor riskanter Lücke im Netz

Nach dem großflächigen Stromausfall in Berlin schlagen Fachleute Alarm: Deutschland vernachlässigt den Schutz seines Stromnetzes – und riskiert viel.

04.01.26 16:31 Uhr | 45 mal gelesen

Widerstandsfähigkeit kommt nicht zum Nulltarif, so sagt es Manuel Atug, der das Thema für die AG Kritis öffentlich macht. Die Unternehmen handeln nur so weit, wie es ihnen die Gesetze unbedingt vorschreiben. Atug schüttelt darüber den Kopf: Berlin sei nur ein sichtbares Beispiel von etlichen Schwachstellen im ganzen Land, doch wirklich in die Pflicht genommen werden Firmen erst dann, wenn es richtig kracht – und das müsse nicht sein. Ein 'Armes Zeugnis', nannte er das. Besonders frustriert zeigt er sich über die Haltung des Bundesinnenministeriums, dem scheinbar eher die Außenwirkung als der handfeste Schutz wichtiger Infrastrukturen am Herzen liegt. 'Neues Zentrum hier, hübscher Event da – aber echte Schutzmaßnahmen? Fehlanzeige.' Auch Kai Strunz, Energieprofessor an der TU Berlin, findet klare Worte: Das Berliner Stromnetz sei nicht robust genug, weil zu wenig Alternativen bei einem Ausfall vorhanden seien. Statt mit Ersatzleitungen gegenzusteuern, dauerte der Blackout nach dem Vorfall am Teltowkanal viel zu lange. Strunz wundert sich, wie es in einer Metropole passieren kann, dass fünf Tage lang kein Strom fließt – für ihn ein eindeutiges Zeichen, dass in Sachen Redundanz und Planung nachgebessert werden muss. Perfekte Sicherheit werde es nie geben, das ist ihm klar, aber wenigstens echte Resilienzpläne – und die fehlen noch weitgehend. Seine Botschaft klingt ernüchternd, aber auch anspornend: Wer sich auf Krisen nicht vorbereitet, der wird von ihnen getroffen.

Nach dem Stromausfall in Berlin rückt das Thema Netzsicherheit erneut in den Fokus. Experten wie Manuel Atug und Kai Strunz werfen Politik und Energieunternehmen vor, Versäumnisse zu vertuschen und notwendige Resilienzpläne zu verschleppen – ein Unsicherheitsfaktor für ganz Deutschland, gerade in Zeiten zunehmender Risiken. Ergänzend berichten aktuelle Medien, dass auch auf EU-Ebene über einheitliche Mindeststandards diskutiert wird, um die Verwundbarkeit zentraler Netzinfrastrukturen einzudämmen. Mehrere Netzbetreiber verlangen inzwischen klare Investitionszusagen, um angesichts der Energiewende und steigender Strombedarfe nicht abgehängt zu werden. Parallel läuft eine Debatte zur Modernisierung der Meldepflichten bei IT-Angriffen, was die Sicherheit im Energiesektor betreffen könnte.

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